■ Immer noch keine Einigung bei Streit um griechischen Schuldenschnitt.
■ EU einigt sich auf Fiskalpakt, nur Großbritannien und Tschechien machen nicht mit.
■ Wird Portugal das zweite Griechenland?

Devisenbericht 31.01.2012
Marktkommentar
Gestern hat der EUR im Tagesverlauf bis auf unter 1,31 gegenüber dem USD nachgegeben, doch zuletzt konnte die Gemeinschaftswährung wieder höher notieren. Die Festigung des EUR ist wohl zurückzuführen auf die vom griechischen Ministerpräsident Papademos geschürte Hoffnung, dass mit einer Einigung im Streit um den griechischen Schuldenschnitt in den kommenden Tagen zu rechnen ist. Allerdings war eine kurzfristige Einigung in den letzten Wochen immer wieder verkündet worden, so dass der Glaube der Marktteilnehmer daran allmählich in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Wir erwarten zwar letztendlich eine Einigung, doch zunächst könnte die darüber bestehende Unsicherheit zusammen mit den Sorgen um Portugal den EUR niedriger tendieren lassen. Portugal gerät an den Märkten
immer stärker unter Druck und könnte damit zu einem zweiten Griechenland werden. Die Renditen portugiesischer Staatstitel sind zuletzt dramatisch angestiegen, so dass die Rendite der 10jährigen Anleihen mittlerweile ein Niveau von über 17% erreicht hat, während die im zweijährigen Bereich bei über 20% liegt. Es wird zunehmend erwartet, dass das Land ein
zweites Rettungspaket benötigt bzw. ähnlich wie bei Griechenland eine Schuldenrestrukturierung notwendig wird.
Auf dem EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs haben sich mit Ausnahme von Tschechien und Großbritannien alle Länder auf einen Fiskalpakt verständigt, der die Einführung von Schuldenbremsen und automatische Sanktionen bei Defizitverstößen vorsieht. Mit diesem
Pakt verpflichten sich die EU-Länder zum Sparen, damit einher geht eine stärkere wirtschaftspolitische Koordinierung. Außerdem verständigten sich die Staats- und Regierungschefs auf den permanenten Rettungsschirm (ESM), der ab Juli den bisherigen Rettungsschirm EFSF ablösen soll, ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Der ESM hat eine Ausleihkapazität
von 500 Mrd. EUR. Der IWF und andere Länder wie die USA oder China fordern eine höhere Summe als „Firewall“ für die hochverschuldeten EUR-Länder, doch Deutschland steht diesem Ansinnen ablehnend gegenüber. Die deutsche Idee, einen europäischen Haushaltskommissar mit direkten Eingriffsmöglichkeiten in Athen zu installieren und damit Griechenland
die Hoheit über seine Haushaltspolitik zu entziehen, wurde darüber hinaus stark kritisiert.
USD/JPY nähert sich der 76 und damit einem Niveau, bei dem sich die japanische Regierung zu einer Schwächung des JPY am Devisenmarkt genötigt fühlen könnte. Im Oktober letzten Jahres hatte ein Stand knapp unterhalb von 76 zu Interventionen der Regierung geführt. Auch jetzt hat die Stärke des JPY zumindest schon einmal zu einem verbalen Eingreifen des
Finanzministers geführt. Jun Azumi hat deutliche Schritte gegen eine hohe Volatilität und spekulative Bewegungen am Devisenmarkt angekündigt.
EUR/CHF hat gestern mit 1,204 ein Viermonatstief erreicht. Die Marktteilnehmer scheinen die von der SNB festgesetzte Untergrenze zunehmend testen und herausfinden zu wollen, wie stark die Handlungsbereitschaft der Notenbank tatsächlich ist. U.E. ist diese unverändert vorhanden.
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