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■ EUR/USD sackt unter 1,33: Schwache Konjunkturdaten und Gipfelenttäuschung

Devisenbericht 30.11.2011
Marktkommentar
Mit der Veröffentlichung der Einzelhandelszahlen in Deutschland (-0,4% J/J statt der erwarteten +2%) sackte der EUR gegenüber dem USD auf unter 1,33. Die Konsumausgaben in Frankreich (vierter Monat in Folge negative Jahresrate) waren auch nicht hilfreich. Die Grundstimmung bleibt
gegenüber dem EUR negativ. Dafür sorgte auch der gestrige Gipfel der Euro-Finanzminister. Die Beschlüsse über die Auszahlung der Kredittranche an Griechenland und die Hebelung der EFSFFazilität waren erwartet worden. Darüber hinaus gehende Maßnahmen wurden nicht entschieden,
sondern lediglich – man kennt das inzwischen zur Genüge – diskutiert. Besorgniserregend ist vor allem, mit welcher Selbstverständlichkeit die Finanzminister bereits über das Szenario diskutierten, dass Italien und/oder Spanien keinen Marktzugang mehr haben könnten. Diese beiden
Länder vereinigen 2600 Mrd. EUR an öffentlichen Schulden auf sich und haben im nächsten Jahr einen Finanzierungsbedarf (Fälligkeiten + Budgetdefizit) von rund 500 Mrd. EUR. Da die politische
Akzeptanz für eine weitere Aufstockung der Rettungspakete aus direkten nationalen Quellen kaum durchsetzbar erscheint, denkt man über mehr oder weniger elegante Wege nach, wie das Geld beschafft werden kann. Die beschlossene Hebelung soll angeblich nicht ausreichen und
daher werden jetzt erneut Forderungen an die EZB gerichtet: Sie solle doch bitteschön dem IWF Kredit gewähren, der dann seinerseits den kritischen Ländern Liquiditätshilfen geben könne. Das Manöver ist durchsichtig, hätte jedoch gegenüber dem direkten Kauf von Anleihen durch die EZB
den Vorteil, dass die Kreditvergabe durch den IWF kontrolliert würde. Der IWF ist im Zweifel in einer besseren Situation, Bedingungen in Bezug auf Spar- und Reformmaßnahmen durchzusetzen, als die EZB (die dafür grundsätzlich kein politisches Mandat hat) und die Europäische Kommission
(die noch stärker als der IWF von Partikularinteressen geprägt ist). Noch ist es aber nicht soweit: Italien hat gestern genügend Abnehmer für seine Anleihen gefunden. Die Renditen waren zwar erneut auf einem Rekordniveau. Durch die relativ lange durchschnittliche Fälligkeitsstruktur von rund 7 Jahren hält sich der Anstieg der gesamten Zinslast jedoch in engen Grenzen.
Die Äußerungen von Janet Yellen, der Vizepräsidentin der Fed, wonach sie sich eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Form von zusätzlichen Informationen über den künftigen Zinspfad vorstellen könne, beeinträchtigen die Attraktivität des USD nicht unbedingt, da einige Marktteilnehmer
durchaus mit radikaleren Maßnahmen rechnen und insofern enttäuscht sein könnten. Datenseitig rechnen wir heute mit Ergebnissen, die die Stabilisierung der US-Wirtschaft auf einem niedrigen Wachstumsniveau unterstreichen. Insgesamt hat der EUR/USD sicherlich seinen Tiefpunkt
in diesem Jahr noch nicht gesehen.
Das GBP hat gestern gegenüber dem EUR an Wert gewonnen, obwohl das „Office for Budget Responsibility“ wenig erfreuliche Zahlen präsentiert hat (Wachstumsprognose für 2012: 0,7%, Budgetdefizit 2011 und 2012: 8,4% und 7,6% des BIP) und für heute die Gewerkschaften für den
öffentlichen Dienst einen 24-Stunden Streik angekündigt haben. Die Proteste betreffen die Rentenreform (Renteneintrittsalter soll verschoben und die Beiträge sollen angehoben werden). Finanzminister Osborne teilte gestern derweil mit, dass man auch noch nach 2015 sparen müsse.
Wir rechnen nicht mit einer weiteren Aufwertung des GBP.
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